Morgenstille am Laichsee
Die Linthebene liegt breit zwischen den Voralpen und dem Zürichsee, geprägt von Offenheit und Ordnung. Was heute als weite, flache Landschaft erscheint, ist das Ergebnis eines tiefgreifenden Eingriffs: der Linthkorrektion im 19. Jahrhundert. Wo sich einst Sümpfe und unberechenbare Wasserarme ausbreiteten, entstanden Felder, Entwässerungsgräben und ein Netz aus Wegen, das der Ebene ihre klare Struktur gab. Dennoch hat sich die Landschaft nie ganz von ihrem ursprünglichen Charakter gelöst.
Zwischen landwirtschaftlich genutzten Flächen finden sich stille Rückzugsorte. Der kleine Laichsee im Kanton Schwyz wirkt unscheinbar, fast verloren in der Weite, und gerade darin liegt seine Bedeutung. Er ist ein Relikt feuchter Niederungen, ein Ort, an dem sich Wasser sammelt, Nebel liegen bleibt und das Jahr in feinen Abstufungen sichtbar wird. Ähnlich zurückhaltend zeigt sich der nahe gelegene Hirschlensee, eingebettet in Wiesen und Gehölze, kaum auffällig, aber ökologisch wertvoll.
Die Linthebene lebt von diesen Gegensätzen: technischer Ordnung und natürlicher Beharrlichkeit, Nutzung und stillen Restflächen. Sie ist kein dramatischer Landschaftsraum, sondern ein leiser. Wer sich Zeit nimmt, erkennt in den kleinen Gewässern, den Baumreihen und den wechselnden Lichtstimmungen eine Landschaft, die weniger imponieren will als bestehen.









