Lago di Lucendro 2018
Der Lago di Lucendro liegt hoch über dem oberen Leventinatal, eingebettet in eine weite Mulde zwischen kargen Flanken und blockigem Gelände. Das Wasser wirkt oft ruhig und dunkel, gespeist von Schmelzwasser und Zuflüssen aus den umliegenden Hängen. Trotz der Nähe zur Passstrasse bleibt der Ort von einer eigentümlichen Zurückhaltung geprägt: Wind, Wolken und Licht bestimmen den Rhythmus, nicht der Mensch. Die Ufer wechseln zwischen feinem Schutt, alpinem Rasen und nacktem Fels, dazwischen kurze Abschnitte, an denen das Wasser beinahe unbewegt steht.
Oberhalb des Sees öffnen sich kleinere Becken mit den Laghi della Valletta. Diese Seen liegen verstreut in einer stillen Hochlandschaft, deren Formen vom Rückzug der Gletscher gezeichnet sind. Moränen, flache Mulden und wassergefüllte Senken greifen ineinander. Je nach Tageszeit spiegeln die Wasserflächen Himmel und Fels oder verlieren sich fast farblos im grauen Licht. Die Übergänge zwischen See, Boden und Geröll sind oft fliessend, als hätte sich das Gelände noch nicht endgültig entschieden, wo Wasser endet und Land beginnt.
Ein natürlicher Bezugspunkt dieser Landschaft ist die Gatscholalücke, auch als Passo d’Orsirora bekannt. Der Übergang markiert keinen scharfen Einschnitt, sondern eher ein langsames Hinübergleiten von einer Welt in die nächste. Von hier aus weitet sich der Blick über eine hochalpine Szenerie, in der Seen, Schuttfelder und Grate ein ruhiges, fast zeitloses Gefüge bilden. Der Lago di Lucendro bleibt dabei ein ruhender Mittelpunkt – nicht als Ziel, sondern als Teil eines grösseren, zusammenhängenden Raumes.












































































